Jedes Jahr werden nicht weniger als 18 Millionen Tonnen Baumwolle angebaut. Nur 0,7 % dieser Baumwolle stammt aus biologischem Anbau. Dieser großflächige Anbau hat erhebliche ökologische Auswirkungen. Abgesehen davon, dass die Bezeichnung „Bio“ Vertrauen weckt und umweltfreundlicher klingt – worin besteht eigentlich der Unterschied zwischen den beiden? Was bedeutet es konkret, in Bettwäsche aus Bio-Baumwolle zu schlafen? Inwiefern unterscheidet sie sich von Bettwäsche aus konventioneller Baumwolle? Bio ist gut, aber warum eigentlich? Wir geben euch einen Überblick!
Um es klar zu sagen: Der konventionelle Baumwollanbau ist nicht gerade umweltfreundlich
Baumwolle stammt vom Baumwollstrauch, und ihre Ernte erfolgt mit großen Erntemaschinen. Die weltweit größten Erzeuger sind Indien, gefolgt von China und den Vereinigten Staaten. Heute wird sie hauptsächlich in der Textilindustrie verwendet, die einen Jahresumsatz von 37 Milliarden Dollar erzielt. Man kann also sagen, dass Baumwolle trotz des ersten Eindrucks eine große Rolle spielt. Das zeigt einmal mehr: Man sollte nicht nach dem Äußeren urteilen...
Solche Zahlen vermitteln einen Eindruck davon, welch erhebliche Auswirkungen Baumwolle auf unseren Planeten haben kann – ganz zu schweigen von den wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Stellen Sie sich das einmal vor: Nehmen Sie 2 bis 3 % der heute weltweit landwirtschaftlich genutzten Flächen.Nehmen wir nun 16 % der weltweit eingesetzten Pestizide, von denen einige von der WHO als besonders gefährlich eingestuft werden.
Schließlich werden zum Färben der Baumwolle Schwermetalle wie Blei oder Chrom verwendet. Um noch einmal das Beispiel der Jeans aufzugreifen: Für 1 kg des zum Färben verwendeten Pigments werden mehrere hundert Kilogramm Erdöl, Lösungsmittel und 1.000 Liter Wasser benötigt. Ganz zu schweigen von der Bodenverarmung durch den intensiven Anbau. Das ist im Großen und Ganzen die Bilanz der konventionellen Baumwolle. Angesichts dieser Tatsache hat sich mit dem Aufkommen der Bio-Baumwolle eine umweltfreundlichere Landwirtschaft entwickelt.
Bio-Baumwolle – eine Lösung für eine nachhaltigere und verantwortungsbewusstere Produktion
Insgesamt lassen sich folgende Unterschiede zwischen dem konventionellen und dem biologischen Baumwollanbau feststellen.
Und ein paar Zahlen, die für sich sprechen...
Auswirkungen auf das Wasser: Sorgfältiger Umgang mit den Quellen
1 T-Shirt = 70 Duschen, 1 Jeans = 50 Bäder: Wenn man bedenkt, dass Indien und China, die größten Baumwollproduzenten, zugleich zwei Länder sind, die mit ernsthaften Problemen beim Zugang zu Süßwasser zu kämpfen haben, macht das Lust, etwas zu unternehmen... Es wurden verschiedene Zahlen genannt, um die Unterschiede im Wasserverbrauch zwischen konventioneller und Bio-Baumwolle zu vergleichen. Es ist jedoch nicht einfach, eine genaue Zahl für die erzielten Einsparungen anzugeben: Dies hängt von der Vergleichsmethode und der Art der verglichenen Anbaumethoden ab (Bewässerung oder nicht).Die am häufigsten zitierte Quelle stammt aus dem Bericht „The Life Cycle of Organic Cotton Fiber“ des Textile Exchange aus dem Jahr 2014. Er umfasst die Jahresproduktionen aus Indien, China, den USA, der Türkei und Tansania. Darin wird festgestellt, dass der Anbau von Bio-Baumwolle 91 % weniger Wasser verbraucht als der Anbau von konventioneller Baumwolle.
- Das Problem?Wie Mars-Elle in ihrem Artikel hervorhebt, gibt es einige Ungenauigkeiten bei den Klimadaten. Denn von Land zu Land und von Region zu Region können beispielsweise die Versickerungsraten des Bodens und die Niederschlagsmengen sehr unterschiedlich sein. Und die Daten zur Bewässerungsintensität in eben diesen Gebieten sind nicht genau angegeben. Wenn man bedenkt, dass Regenwasser selten ausreicht, um die Felder zu bewässern, unddass Wasser aus Flüssen, Seen und Grundwasser entnommen werden muss, kann dies selbst die rationalsten unter uns verwirren.
Darüber hinaus gibt es den Bericht des WWF und von C&A aus dem Jahr 2016, in dem der Gesamtwasserverbrauch für den Anbau von konventioneller und Bio-Baumwolle auf mehreren Farmen in verschiedenen Regionen Indiens (Ernten der Jahre 2013 und 2014) bewertet wird. Ergebnis: Der Wasserfußabdruck wäre beim Anbau von konventioneller Baumwolle 25-mal höher als beim Anbau von Bio-Baumwolle.
- Das Problem? Auch wenn die Studie genauer ist als die vorherige, benötigen die untersuchten Gebiete keine oder nur wenig Bewässerung, was für konventionelle Baumwollfelder wenig repräsentativ ist. Anhand dieser beiden Studien lässt sich feststellen, dass der Anbau von Bio-Baumwolle weniger wasserintensiv ist als der von konventioneller Baumwolle. Man sollte jedoch darauf achten, die Quellen korrekt anzugeben, die Berichte sorgfältig zu lesen und die verwendeten Methoden zu berücksichtigen. :)
Nein, Bio-Baumwolle ist nicht immer schneeweiß
Wenn man anders produziert und konsumiert, entdeckt man viele wunderbare Dinge. Vor allem, dass Baumwolle, die man sich als makellos weiß vorstellt, nur deshalb so aussieht, weil sie oft mit Bleichmitteln gebleicht wird. In Wirklichkeit ist Baumwolle in ihrem ursprünglichen Zustand eher naturfarben. Werfen wir einen kurzen Blick auf den Lebenszyklus der Baumwolle, bevor sie in Ihrem Kipli -Matratzen- oderKissenbezug landet. Während der Blütezeit platzen die Fruchtkapseln auf. Ein weißer Flaum tritt hervor. Oh! Das ist schön. Genau in diesem Moment wird die Baumwolle geerntet. Sie wird mit Hilfe einer sogenannten Ballenpresse zu einem großen Ballen gepresst, und anschließend wird die Baumwollfaser in einer Entkörnungsmaschine von den Kapselresten und den Samen getrennt. Bei naturfarbenen Stoffenbleiben die Kapselreste jedochin Form von schwarzen Punkten sichtbar. Keine Panik, diese Punkte sind ganz einfach auf die Beschaffenheit der Baumwolle zurückzuführen. Sie können, wie auf den Fotos unserer Kissen und Matratzen unten zu sehen, auftreten.
Letztendlich machen doch gerade diese kleinen Schönheitsflecken den ganzen Charme unserer Matratzen und Kissen aus, oder? Falls Sie diese kleinen Punkte entdecken sollten, können Sie uns gerne ein Foto Ihres Kissens an hello@kipli.com schicken, und wir können Ihnen dann bestätigen, ob es sich tatsächlich um die Launen der Natur handelt.
Wie kann man feststellen, ob die Bettwäsche wirklich aus Bio-Baumwolle besteht?
GOTS und OCS – die wichtigsten Gütesiegel für Bio-Baumwolle
Der weltweite Standard für Bio-Textilien, GOTS, ist der weltweit führende Verarbeitungsstandard für Bio-Textilien. GOTS garantiert, dass die in einem Produkt enthaltene Baumwolle biologisch angebaut wurde. Die Zertifizierung konzentriert sich auf die Vorgänge nach der Ernte und gewährleistet die Rückverfolgbarkeit der Baumwolle entlang der gesamten Lieferkette, um sicherzustellen, dass Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, Möbel und andere Artikel gesund sind, unter Einhaltung strenger sozialer und ökologischer Kriterien hergestellt werden. Der OCS ( Organic Content Standard) bietet seinerseits die Gewähr einer unabhängigen Stelle, dass der Bio-Anteil des Textils bis zur Quelle zurückverfolgt werden kann.
Vorsicht vor Greenwashing...
Wenn auf dem Etikett eines Produkts „Nachhaltige Baumwolle“ steht, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es sich um Bio-Baumwolle handelt.
Ebenso sind bestimmte Gütesiegel irreführend, wie die ADEME betont. Dies gilt insbesondere für das BCI-Siegel, das erst vor relativ kurzer Zeit eingeführt wurde und sehr leicht zu erhalten ist, was jedoch nicht bedeutet, dass die Baumwolle aus biologischem Anbau stammt.
Am anderen Ende der Leitung: Gibt es Grenzen für Bio-Baumwolle?
Geringerer Wasserverbrauch, weniger Gesundheitsprobleme, umweltfreundlicher, nachhaltiger … Bio-Baumwolle hat positivere Auswirkungen als konventionelle Baumwolle. Aber Bio-Baumwolle bleibt Baumwolle und ist daher eine wasserintensive Kulturpflanze. Um den Verbrauch dieser wertvollen natürlichen Ressource zu reduzieren, sollten wir uns daher einige kleine Regeln des gesunden Menschenverstands vor Augen halten. Versuchen wir schrittweise, unser Konsumverhalten zu ändern undweniger Produkte zu kaufen, dafür aber solche von besserer Qualität, damit sie länger halten.
Quellen:Mars-Elle,TheGoodGoods,Organic Center, Greenpeace,FranceTVinfo, ADEME (Infografiken) und „Le Revers de monlook“,ARTE Radio, Planetoscope,Cash Investigation, Consglobe